Luxemburg 2024: Wie die Financial Intelligence Unit auf risikobasierte, grenzüberschreitende Bekämpfung von Betrug, Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung umstellte
Im Jahr 2024 setzte die luxemburgische Financial Intelligence Unit (Cellule de renseignement financier, CRF) ihre Strategie fort, eine risikobasierte Vorgehensweise zu schärfen, die darauf abzielt, die bedeutendsten Bedrohungen durch Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung zu priorisieren. Diese Strategie beruht auf einem gemeinsamen Verständnis der Risiken zwischen Behörden und dem Privatsektor, einer stärkeren analytischen Kapazität innerhalb der CRF und einer vertieften internationalen Zusammenarbeit. Die CRF unterstützte nationale und vertikale Risikobewertungen, die vom Ausschuss zur Verhinderung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung geleitet wurden, und erweiterte die gezielte Verbreitung einer detaillierteren vertikalen Bewertung der Terrorismusfinanzierungsrisiken an alle im goAML-System registrierten Fachleute.
Operativer Schwerpunkt auf Qualität statt Quantität
Obwohl das Gesamtvolumen der Verdachtsmeldungen zu Transaktionen und Aktivitäten hoch blieb, konzentrierte die CRF ihre Ressourcen zunehmend auf hochwertige, komplexe Fälle. Luxemburgs Finanzplatz ist von Natur aus international: Die meisten Meldungen, die die CRF erhält, weisen mindestens ein ausländisches Element auf. Um mit Tausenden grenzüberschreitenden Austauschvorgängen zurechtzukommen, automatisierte die CRF die Weitergabe an ausländische Partnerbehörden mithilfe von FIU.net- und FIU-Platform-Regeln. Diese Automatisierung und die zunehmende Nutzung standardisierter Austauschprozesse erklären einen Rückgang traditioneller ad-hoc-Informationsaustausche und setzten analytische Kapazitäten für operative Arbeit frei.
Aussagekräftige Statistiken: Wachstum, Betrug und grenzüberschreitende Meldungen
Im Jahr 2024 erhielt die CRF 51.130 Verdachtsmeldungen, ein Anstieg von 15 % gegenüber 2023. Betrug blieb die häufigste zugrunde liegende Vortat (etwa 32 % der Meldungen), gefolgt von Produktfälschung und Piraterie (16 %) und Steuervergehen (13 %). Meldungen im Zusammenhang mit Sanktionsumgehung – insbesondere im Zusammenhang mit Maßnahmen gegen Russland – nahmen ebenfalls weiter zu.
Zwei Meldetrends stachen hervor.
Erstens haben traditionelle Sektoren – Banken, Wertpapierfirmen, Versicherer und benannte nichtfinanzielle Berufsgruppen – die Meldungen stetig erhöht und die Erkennung komplexer Geldwäschemuster verbessert.
Zweitens reichen sogenannte „Online-Anbieter” (Zahlungsinstitute, E-Banken, E-Geld-Institute und regulierte Dienstleister für virtuelle Vermögenswerte) weiterhin sehr große Mengen standardisierter Erklärungen (SARe / STRe) ein, von denen viele inhaltlich grenzüberschreitend sind und über Luxemburg geleitet werden, da die meldende Einrichtung über EU-Passporting und Hauptsitz in Luxemburg verfügt.
Terrorismusfinanzierung: Fokussierte Fähigkeiten und anhaltende Zusammenarbeit
Meldungen im Zusammenhang mit Terrorismusfinanzierung stiegen 2024 leicht auf 230. Die CRF unterhielt spezialisierte Teams für Terrorismusfinanzierungsanalyse und internationalen Austausch und beteiligte sich aktiv an der „Counter Terrorist Financing Taskforce – Israel” (CTFTI), um Reaktionen auf die Folgen der Anschläge vom Oktober 2023 zu koordinieren. Die CRF verzeichnet konkrete operative Ergebnisse: sechs Sperraufträge für TF-bezogene Vermögenswerte im Jahr 2024 (≈ 1,9 Millionen €) und laufende Zusammenarbeit mit inländischen Terrorismusbekämpfungsbehörden und meldenden Stellen zur Sensibilisierung für die Erkennung.
Sich entwickelnde Typologien: Netzwerke, Geldesel und KI-gestützte Dokumentenfälschung
Kriminelle Netzwerke nutzen zunehmend ausgefeilte Strukturen zur Verschleierung von Erträgen: komplexe Unternehmensvehikel, Geldesel, virtuelle IBANs, grenzüberschreitende Überweisungen und Umwandlung in virtuelle Vermögenswerte. Die CRF stellte eine verstärkte Verwendung gefälschter Identitätsdokumente fest – die mittlerweile manchmal mit KI-Tools erstellt werden – insbesondere bei Zahlungs- und E-Geld-Anbietern, was zu vielen SARs (Verdachtsmeldungen zu Aktivitäten) führt, bei denen keine verdächtige Transaktion identifiziert wird, der Kunde jedoch Identitätsprüfungen nicht besteht oder versucht, sich mit gefälschten Nachweisen zu registrieren.
Virtuelle Vermögenswerte und sich veränderndes kriminelles Verhalten
Meldungen von regulierten Dienstleistern für virtuelle Vermögenswerte (VASPs) sind in den letzten Jahren deutlich zurückgegangen. Die CRF führt diesen Rückgang teilweise darauf zurück, dass Kriminelle zu unregulierten oder dezentralen Börsen wechseln und dass lizenzierte VASPs zunehmend compliance-resilient sind. Der Trend unterstreicht den Verlagerungseffekt: Stärkere Regulierung drängt illegale Akteure in Richtung Jurisdiktionen oder Plattformen mit schwächeren Kontrollen.
Stärkere inländische Partnerschaften: Staatsanwälte, Polizei und Aufsichtsbehörden
Die CRF vertiefte die operative Zusammenarbeit mit den Staatsanwaltschaften Luxemburg und Diekirch sowie mit der Kriminalpolizei, um unterschlagene Gelder aufzuspüren, einzufrieren und zu verfolgen – oft auf ausländischen Konten gehalten. Komplexe Fälle werden nun durch vorab geplante gemeinsame Strategien statt durch ad-hoc-Anfragen bearbeitet, und die CRF unterstützt routinemäßig die Rückverfolgung und Sperrung krimineller Vermögenswerte, um Vermögenswerte für gerichtliche Beschlagnahme zu bewahren. Die Zusammenarbeit mit der Europäischen Staatsanwaltschaft (EPPO) nahm nach einer im August 2022 von der CRF unterzeichneten Kooperationsvereinbarung deutlich zu.
Sperrungsaktivität: Konzentrierte Werte und grenzüberschreitender Zweck
Im Jahr 2024 ordnete die CRF 208 Sperrungen an und sicherte Vermögenswerte im Wert von etwa 162 Millionen €. Obwohl die Anzahl betrugsverbundener Sperraufträge groß war (136 Aufträge), waren die höchsten Gesamtwerte mit Korruption verbunden (drei Aufträge in Höhe von insgesamt etwa 134,6 Millionen €). Die CRF betonte, dass die meisten Sperraufträge in einem grenzüberschreitenden Kontext erfolgen, um ausländischen Justizbehörden die Verfolgung der Beschlagnahme durch gegenseitige Rechtshilfe zu ermöglichen.
Digitale Transformation und Kapazitätsaufbau
Um den analytischen Durchsatz zu stärken, setzte die CRF ihre Personalerweiterung in Prioritätsbereichen fort und rekrutierte Datenwissenschaftler und andere IT-Spezialisten. Die CRF modernisiert ihre digitalen Fähigkeiten unter Gewährleistung der Einhaltung des Datenschutzes und kommender Standards für KI-Governance. Die Einführung automatisierter, standardisierter grenzüberschreitender Meldungen (XBR) und grenzüberschreitender Weitergabe (XBD) durch die CRF hat die Geschwindigkeit und Qualität internationaler Informationsflüsse verbessert und es Analysten ermöglicht, schneller auf komplexe, multinationale Schemata zu reagieren.
Sektorale Entwicklungen: Zahlungen, E-Geld und Online-Banking dominieren Meldevolumen
Zahlungsinstitute, E-Geld-Institute und E-Banken sind die größten Meldegruppen nach Volumen. Bei Zahlungsinstituten wurden viele Meldungen durch gefälschte Identitätsdokumente und Registrierungsversuche mit gefälschten Ausweisen ausgelöst, nicht durch Transaktionsanomalien. E-Geld-Institute verzeichneten einen Anstieg der Meldungen im Zusammenhang mit Kontoaktivitäten und Kundenprofil-Bedenken, während die Meldungen von Online-Banken im Einklang mit ihrer wirtschaftlichen Expansion und verbesserten Überwachungsfähigkeiten wuchsen. Versicherer verzeichneten ein starkes Wachstum bei Meldungen – größtenteils im Zusammenhang mit Sanierungsmaßnahmen –, während die Meldungen des Investmentsektors bescheidener zunahmen, was auf ein besseres Branchenbewusstsein und aufsichtliche Öffentlichkeitsarbeit zurückzuführen ist.
Qualität der Meldungen und Feedbackschleifen
Die CRF bewertet die Gesamtqualität eingehender Meldungen als generell gut. Sie gibt meldenden Stellen Feedback durch maßgeschneiderte Treffen und gegebenenfalls schriftliche Antworten. Diese Feedbackschleife unterstützt die Compliance-Reifung des Privatsektors und verbessert das Signal-Rausch-Verhältnis für Analysten.
Internationaler Austausch: Automatisierung, XBR/XBD und traditionelle Zusammenarbeit koexistieren
Die CRF hat die Nutzung von FIU.net-basiertem XBR für große Mengen standardisierter grenzüberschreitender Meldungen und XBD für risikoarme grenzüberschreitende Informationen, bei denen Gegenparteien nur begrenzten Kontext benötigen, ausgeweitet. Der Anstieg der XBR-Austauschvorgänge erklärt einen moderaten Rückgang traditioneller bilateraler oder spontaner Austausche, aber der gesamte internationale Kontakt bleibt hoch – insbesondere mit benachbarten EU-Partnern: Frankreich, Deutschland, Belgien, den Niederlanden und dem Vereinigten Königreich. Die CRF intensivierte auch den operativen Austausch mit Europol, insbesondere zu Fällen sexueller Ausbeutung und Menschenhandels, und spielt eine führende Rolle in der Europol Financial Intelligence Public‑Private Partnership.
Regulatorische Änderungen und der Weg zur AML-Reform 2027
Mit der Verabschiedung des neuen EU-AML-Pakets werden die meisten neuen Vorschriften ab dem 10. Juli 2027 gelten. Die CRF hat mit der Umsetzung vorbereitender Schritte begonnen und koordiniert sich eng mit der Europäischen Geldwäschebehörde (AMLA), um Praktiken und Erwartungen zum Datenaustausch vor der vollständigen Anwendung abzustimmen.
Schlussfolgerungen und Implikationen für Praktiker
Der CRF-Bericht 2024 zeigt Luxemburgs FIU im Wandel: Sie bewegt sich weg von der Bewältigung großer Mengen heterogener Meldungen hin zur Priorisierung analytischer Tiefe, Automatisierung grenzüberschreitender Weitergabe und Spezialistenkapazität zur Bekämpfung komplexer internationaler Geldwäsche- und Terrorismusfinanzierungsschemata. Für meldende Stellen sind die praktischen Implikationen klar: KYC verbessern, um gefälschte Dokumentation zu erkennen, Transaktionsüberwachung stärken, um atypische Verschleierungsmuster und Geldesel-Nutzung zu identifizieren, umgehend mit Informationsanfragen kooperieren und interoperable technische Standards einführen, die effiziente, standardisierte Meldungen (XBR/XBD) ermöglichen. Aufsichtsbehörden und Staatsanwälte sollten weiterhin vorab geplante Strategien für komplexe, grenzüberschreitende Ermittlungen koordinieren, bei denen proaktive Sperrungen Vermögenswerte für gerichtliche Lösungen bewahren können.
Die doppelte Schwerpunktsetzung der CRF – Fokussierung begrenzter Ressourcen auf Fälle mit dem größten Risiko bei gleichzeitiger Automatisierung standardisierter grenzüberschreitender Weitergabe – bietet ein Modell für FIUs, die in global vernetzten Finanzzentren tätig sind. Während sich die Regulierung verschärft und Gegner sich anpassen, wird die Kombination der CRF aus spezialisierter analytischer Fähigkeit, technischer Automatisierung und breiter inländischer und internationaler Zusammenarbeit entscheidend für die Aufrechterhaltung der Widerstandsfähigkeit Luxemburgs gegen Finanzkriminalität sein.
Tiefer eintauchen
- CRF ¦ Rapport annuel 2024 ¦ Link